Tiergestützte Pädagogik

Mit Tieren lernen

 

Seit diesem Jahr 2021 ist die tiergestützte Pädagogik fester Bestandteil des Lehrplans der Sozialassistenz - und das auf allen Ebenen. Das bedeutet, es gibt nicht ein Fach "tiergestützte Pädagogik", sondern die tierbezogenen Themen ziehen sich quer durch den Lehrplan und vor allem durch die praktischen Übungen.

So geht es im Lernbereich Anthropologie beispielsweise um Themen wie Bindung als Basis sozialer und emotionaler Kompetenzen - was wunderbar und sehr effektiv im Umgang mit Tieren erklärt und erprobt werden kann. Oder das wichtige Feld der Wahrnehmungsschulung: Im Umgang mit Tieren spielt Wahrnehmung eine wichtige Rolle und kann sehr gut geübt werden - eine zentrale Fähigkeit für die spätere Arbeit in allen Bereichen sozialer Arbeit.  

Konkret sieht das in der Ausbildung bei uns dann phasenweise so aus:

Die Schülerinnen und Schüler der Sozialassistenz begleiten die Vorschulkinder aus unserer Kita auf den Bauernhof und führen sie an den Umgang mit Tieren heran. Dabei aber sind sie nicht nur Anleitende, sondern selbst Lernende, da sie praktische Erfahrung in der pädagogischen Arbeit mit den Kindern aus der Kita sammeln und darüber hinaus der Umgang mit den Tieren – zumal in diesem Kontext – ihnen selbst auch noch mehr oder weniger fremd ist. Tiere sind dabei eine sehr hilfreiche Projektionsfläche, weil sie unmittelbar und unverfälscht Signale senden, die gleichermaßen für aufmerksame Vorschulkinder und die Schülerinnen und Schüler aus der Sozialassistenz eine eindeutige Rückmeldung sind.

Um den Kindern und den jungen Erwachsenen von Anfang an ein Gefühl von Sicherheit auf dem für sie neuen Erfahrungsfeld zu geben, sind wir als Betreuende immer ganz nah am Geschehen und leben mit Ruhe und Umsicht vor, worauf es bei dem Umgang mit den Tieren ankommt.
Dabei haben wir das Wohl der Tiere stets im Blick – was eine weitere Ebene des Lernprozesses für alle Beteiligten ist. Denn wer von klein auf und im Rahmen seiner Ausbildung lernt, einen Fokus auf das Wohlbefinden anderer Lebewesen zu legen, verinnerlicht dies als routinemäßiges Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen, Tieren und im Idealfall seiner gesamten Umwelt überhaupt.
Die Kinder und jungen Erwachsenen erfahren im Umgang mit den Tieren unmittelbar die Auswirkungen ihrer eigenen Handlungen. Das Thema der Selbstwirksamkeit ist ein zentraler Bestandteil persönlicher Entwicklung. Nur wer lernt, die Auswirkungen seiner eigenen Handlungen zu erkennen – und nach dem Kindesalter auch zu reflektieren –, kann Rücksicht innerhalb eines sozialen Gefüges (aus-)üben und diese darüber hinaus dann auch vermitteln.