Damals wie heute

 

Lohelands Wurzeln reichen zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Parallel zu anderen Projekten der Lebensreformbewegung entstand hier in der Nähe Fuldas nach dem Ersten Weltkrieg eine Reformschule und in der Folge eine – heute denkmalgeschützte – Siedlung, die von Frauen und für Frauen gegründet wurde. Das ursprüngliche Ziel dabei war es, den Schülerinnen eine anerkannte Gymnastikausbildung und damit die Grundlage für eine selbständige Existenz als Gymnastiklehrerin zu verschaffen.

Darin jedoch allein einen praktischen Nutzen zu sehen, würde den Kern der Sache verfehlen. Es ging diesen Frauen um mehr: Neben der Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen und dem Korsett der Kaiserzeit wollten sie ganze Menschen werden. Über die Loheland-Gymnastik und das Handwerk suchten sie einen Weltbezug herzustellen, der viel weiterging als einfach nach (materiellem) Nutzen oder rein rationaler Erkenntnis zu streben.

Mit diesem zutiefst humanistisch orientierten Projekt sollte das Individuum so ausgiebig und vielfältig – gerade auch ästhetisch – geschult werden, dass es aus sich heraus zur freien Entfaltung gelangen konnte und sich gleichzeitig als Teil der Gemeinschaft empfand. Es ging um ein Begreifen, sinnlich wie geistig; es ging darum, gleichzeitig bei sich selbst und mit der Welt zu sein.

 

Ganz ähnlich steht es um die Ideale Lohelands bis heute. In unseren Bildungskonzepten, angefangen bei Kindergarten und Schulen, aber auch im Tagungsprogramm und in den verschiedenen Ausbildungsberufen geht es darum, das zutage zu fördern, was in jedem einzelnen Menschen angelegt ist und was er an Fähigkeiten mitbringt. Dahinter steht die Einsicht, dass individuelle Entfaltung eine der Grundvoraussetzungen ist, sich bereitwillig in die Gemeinschaft einfügen zu können und gestalterisch an ihr mitzuwirken. Deshalb sind wir überzeugt: Wir bilden Menschen, die Zukunft gestalten.

 

Außer den vielen Bildungsangeboten gibt es heute in Loheland ein Café, einen Laden mit Erzeugnissen aus der eigenen Demeter-Landwirtschaft, eine Schreinerei, das Tagungshotel Wiesenhaus und zu alledem noch ein abwechslungs-reiches Kulturprogramm. Ergänzt werden diese zahlreichen Felder durch ein Archiv, das sich zum Ziel gesetzt hat, die vielfältige und nun bereits 100-jährige Geschichte lebendig zu halten und erlebbar zu machen.