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Jenseits von Wachstum und Nutzenmaximierung – Lokale Gemeinschaftsprojekte als Experimentierorte für eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft

5.-6.10.2018

 

 

 

Ausgehend vom Beispiel Loheland, spannte die Tagung einen Bogen zwischen historischen und aktuellen Ansätzen einer gemeinschaftsbasierten Wirtschaftsweise, die Alternativen zu den brüchig gewordenen Paradigmen des Wirtschaftswachstums und des isolierten, nutzenmaximierenden Homo oeconomicus aufzeigen und im Rahmen konkreter Gemeinschaftsprojekte erproben wollen.

 

Sie wurde von der Loheland-Stiftung in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität Wien veranstaltet und richtete sich an wissenschaftliches Fachpublikum ebenso wie an kulturhistorisch Interessierte. Die Publikation zur Tagung soll im Mai 2019 erscheinen.

 

Informationen zum Programm finden Sie hier.

 

 

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Kritik am Paradigma des Wirtschaftswachstums hat in den wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Diskussionen der letzten Jahre zunehmend breiteres Echo gefunden. Im Zentrum dieser Kritik steht die Gefährdung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Reproduktion durch eine Wirtschaftsordnung, die auf immer weiterer Steigerung des Ressourcenverbrauchs beruht und gleichzeitig systematisch blind gegenüber einem erheblichen Teil der eigenen Voraussetzungen und Folgen ist. Diese Kritik, die sich unter anderem aus feministischen, ökologischen und entwicklungskritischen Ansätzen speist, zielt letztlich auf eine umfassende kulturelle „Selbsttransformation“ (Serge Latouche) der Gesellschaft.

 

Die Gründung der Frauengemeinschaft Loheland (1912/19) fiel ebenfalls in eine Zeit breit angelegter Diskussionen über alternative Wirtschaftsmodelle. Loheland sollte als Schule für Gymnastiklehrerinnen jungen Frauen einen Weg in die berufliche Selbständigkeit eröffnen und entwickelte sich gleichzeitig auf den Gebieten von Ausdruckstanz und Kunsthandwerk zu einer bedeutenden Stätte der klassischen Moderne. Auch in ökonomischer Hinsicht stellte Loheland eine Experimentierstätte und einen Vorläufer für heutige intentionale Gemeinschaften dar wie etwa Ökodörfer, Tauschringe oder Gemeinschaftsgartenprojekte, die sich selbst als Modellversuche für gesamtgesellschaftliche Transformationsprozesse verstehen.

 

Die Beiträge fragten nach dem Fortleben von Vorstellungen von Bedürfnisorientierung und Maß, wie sie in den frühneuzeitlichen Begriffen der „Nahrung“ oder „Hausnotdurft“ impliziert waren und wie sie auch aktuellen alternativwirtschaftlichen Leitbildern wie dem eines auch auf Selbstbeschränkung basierenden „guten Lebens für alle“ zu Grunde liegen; nach Gemeingüter- und Genossenschaftsmodellen, wie sie zu Beginn des 20. wie auch des 21. Jahrhunderts unter Bezug auf vormoderne Vorbilder aufgegriffen und neu interpretiert wurden; nach der Rolle von Vertrauen und Beziehungen als ökonomische Faktoren. Sie wurden durch vertiefende und engagierte Diskussionen ergänzt. Referentinnen und Referenten sowie allen Teilnehmenden sei hierfür herzlich gedankt.