Unsere Partnerschule in LettlandEs begann alles mit einer Anfrage im Jahre 1994, ob unsere Schule bereit sei, einer lettischen Lehrerin, die sich für Waldorfpädagogik interessierte und in der neugegründeten Schule in Adazi, Lettland, unterrichten wollte,
Wir waren dazu gerne bereit - und nach diesem Jahr war es fast selbstverständlich, den geknüpften Kontakt auszubauen.
Die Schüler und ihre Betreuer lebten in den Familien unserer damaligen 6. Klasse. Zwei Jahre später, 1996, machte sich unsere dann schon 8. Klasse auf den Weg nach Lettland und erwiderte diesen Besuch. |
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Im Jahr 2000 kam wiederum eine Schülergruppe, 6./7. Schuljahr, zu uns und wurde, wie auch das erste Mal, in Schülerfamilien untergebracht, um die deutschen Verhältnisse sowie die Sprache besser kennen zu lernen.
Der Rückbesuch der Loheländer Schüler 2001 konnte kurzfristig aufgrund der Sorgen mancher Eltern, denen die Entfernung zu groß und der Osten zum damaligen Zeitpunkt zu unsicher erschien, nicht umgesetzt werden.
Zum zehnjährigen Bestehen der Waldorf-Schule in Adazi gingen dortige Kollegen und Schüler auf Tournee und kamen auch nach Loheland, wo sie ein großartiges Festkonzert gaben. Wir unsererseits hatten eine Ausstellung der Zeichnungen organisiert, welche während des ersten Aufenthaltes unserer damaligen Praktikantin, Frau Inara Dzelzs, in Loheland entstanden waren.
Seit Januar 2004 sind nun zwei Schülerinnen aus Adazi hier bei uns und besuchen den Unterricht der 11. Klasse, u.a. um ihre deutschen Sprachkenntnisse zu verbessern. Zwischenzeitlich hatten wir auch schon Gäste aus der Waldorf-Schule Riga.
Die Gastschüler bereiteten sich sehr gründlich auf den Besuch vor, indem sie Deutschland in Geschichte und Geographie ausführlich behandelten und so gut Bescheid wussten. Sie wollten unbedingt einen Teil der Rhön erwandern und betrachteten dabei Gesteine, Pflanzenwuchs und Landschaftsformen genau.
Das regte auch unsere Schüler an, sich wieder etwas mit dem Bekannten und täglich Erlebten zu beschäftigen.
Andere Völker und Sitten zu erleben erweitert den äußeren Horizont und vertieft das Verständnis für Fremdes und Unbekanntes. Wir möchten, dass unsere Schüler Interesse an den Menschen und der Welt in vielfältigster Weise entwickeln.
Dazu ist aber eine konkrete Wahrnehmung von Mensch zu Mensch wichtig.
In der lettischen Partnerschule gibt es kaum staatliche Unterstützung, so dass immer wieder Engpässe und Notsituationen auftreten, die man sich hier in Deutschland nur schwer vorstellen kann.
In den damaligen Ostblockländern sind die Lebensverhältnisse ganz andere als bei uns.
Die Rudolf-Steiner-Schule Loheland hatte daher den Wunsch, Schulklassen von dort einzuladen, um westliche Verhältnisse kennen lernen zu können. Für die Schüler unserer Schule dagegen sahen wir es als notwendig an, Vorurteile abzubauen oder besser, sie erst gar nicht aufkommen zu lassen, die sich im Hinblick auf Ausländer (auch Russlanddeutsche) oder aus Überheblichkeit ärmeren Ländern gegenüber bilden könnten.
Daher waren die Schüler bei den Eltern der Klasse untergebracht, die mit ihren Lehrern für die Gestaltung des Aufenthaltes
und für die Betreuung der Gäste verantwortlich war. Die Verständigung erfolgte auf Englisch und Deutsch; der Wortschatz wurde so auf beiden Seiten erweitert. Bei unseren Schülern wurde der Englischunterricht danach viel wichtiger genommen!
Es entstanden Freundschaften, die zum Teil bis heute gepflegt werden.
Maria Katharina Böhm

